Englisches Erbrecht - Gesetzliche Erbfolge

Ist nach dem Opens internal link in current windowenglischen internationale Privatrecht englisches Erbrecht anzuwenden und besteht kein wirksames Testament, so wird der Nachlass nach den im Administration of Estates Act i.d.F. des Intestates Act 1952 angeordneten Grundsätzen verteilt.

 

Section 46 des Administration of Estates Act unterscheidet 5 Personengruppen:

(1) überlebender Ehegatte

(2) überlebende Abkömmlinge

(3) überlebende Eltern

(4) überlebende vollblütige Geschwister

(5) überlebende entferntere Verwandte

 

Hinterlässt weder Abkömmlinge noch Eltern oder vollblütige Geschwister, erhält der überlebende Ehegatte den gesamten Nachlass („residuary estate“).

 

Hinterlässt der Erblasser neben dem Ehegatten auch eine oder mehrere Abkömmlinge, erhält der überlebende Ehegatte die sog. "personal chattels", d.h. alle persönlichen Gegenstände (z.B. Autos, Hausrat und persönlicher Schmuck) und eine festgelegte Summe (derzeit 125.000 englische Pfund) als “statutory legathy”. Ist der Nachlass danach erschöpft, erhalten die Abkömmlinge nichts. Der verbleibende Nachlass wird in 2 Hälften geteilt. An der einen Hälfte erwirbt der überlebende Ehegatte ein „life interest“, d.h. der erhält das Einkommen aus dem Nachlass. Die 2. Hälfte erhalten die Abkömmlinge.

 

Hinterlässt der Erblasser keine Abkömmlinge und keine Eltern, aber vollblütige Geschwister oder deren vollblütige Abkömmlinge, erhält der überlebende Ehegatte die sog. "personal chattels", d.h. alle persönlichen Gegenstände (z.B. Autos, Hausrat und persönlicher Schmuck) und eine festgelegte, steuerfreie Summe (derzeit 125.000 englische Pfund). Ist der Nachlass danach erschöpft, erhalten die Abkömmlinge nichts. Der verbleibende Nachlass wird in zwei Hälften geteilt. An der einen Hälfte erwirbt der überlebende Ehegatte ein „life interest“. Die andere Hälfte erhalten die überlebenden Eltern zu gleichen Teilen oder ein überlebendes Elternteil allein. Sind die Eltern vorverstorben erhalten die vollblütigen Geschwister den verbleibenden Rest zu gleichen Teilen.

 

Hinterlässt der Erblasser keinen Ehegatten, aber Abkömmlinge, erhalten diese den gesamten Nachlass. Kinder erben zu gleichen Teilen. Ist ein Kind vorverstorben, wird dessen Teil auf seine Kinder zu gleichen Teil verteilt.

 

Hinterlässt der Erblasser keinen Ehegatten und keine Abkömmlinge, aber beide Elternteile, so erhalten diese den gesamten Nachlass zu gleichen Teil.

 

Hinterlässt der Erblasser keinen Ehegatten und keine Abkömmlinge, aber einen Elternteil, so erhält dieser den Nachlass alleine.

 

Hinterlässt der Erblasser keinen Ehegatten, keine Abkömmlinge und keinen Elternteil, so ist der Nachlass nach folgender Ordnung zu verteilen:

 

(1) Zunächst sind die vollblütigen Geschwister berechtigt.

(2) In Ermangelung berechtigter vollblütiger Geschwister sind halbblütige Geschwister berechtigt.

(3) In Ermangelung von berechtigten Geschwistern sind die Großeltern berechtigt.

(4) In Ermangelung von berechtigten Großeltern sind die vollblütigen Onkel und Tanten des Erblassers berechtigt.

(5) In Ermangelung von vollblütigen Onkel und Tanten sind die halbbürtigen Onkel und Tanten berechtigt.

 

In Ermangelung oben stehender Personen, erbt die Krone.

 

Ein Abkömmling des Erblassers, welcher das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat und nicht verheiratet ist, hat nach Sec. 47 (1) (i) gegen den Nachlassverwalter nur eingeschränkte Rechte. Der Nachlassverwalter kann aber die personal chattels dem Abkömmling zur Nutzung überlassen. Außerdem erhält es aus dem Nachlass unterhalt. Für bestimmte Zwecke (z.B. Ausbildung), kann dem Kind auch ein Betrag überlassen werden.

 

Nach Sec. 47 A. kann der überlebende Ehegatte unter bestimmten Voraussetzungen Ablösung des "life interest" verlangen.

 

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient nur der ersten Information und stellt keine Rechtsberatung dar, da diese nur unter Berücksichtigung aller Umstände des konkreten Einzelfalls möglich ist. Für Aktualität und Richtigkeit übernehmen wir keine Gewähr.

  

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2009 © Jan-Hendrik Frank (Rechtsanwalt und Fachanwalt für Erbrecht)