Wie gestaltet ich ein „eigenhändiges" Testament richtig?

Nur ca. 20 % der Bundesbürger haben ein Testament errichtet. Aber selbst diese vorausschauenden Personen scheuen oftmals den Gang zu einem spezialisierten Rechtsanwalt, weshalb es zu oftmals vermeidbaren Streitigkeiten zwischen den Erben kommt. Am kostengünstigsten und beliebtesten ist das sog. "eigenhändige" oder privatschriftliche Testament. Der Artikel gibt Tips und Hinweise zur Gestaltung eines solchen Testaments.

 

Form des privatschriftlichen Testaments

Ein eigenhändiges Testament müssen Sie selbst mit der Hand niederschreiben und unterschreiben. Mit dem Computer oder der Schreibmaschine geschriebene Testamente sind unwirksam! Es gilt dann die gesetzliche Erbfolge oder, wenn der Erblasser früher ein formgültiges und noch nicht vernichtetes oder widerrufenes Testament errichtet hatte, dieses frühere Testament.

 

Um Verwechslungen auszuschließen unterschreibt man am besten mit Vor- und Zunamen. Auch der Ort und Datum sollten angeführt werden, da sonst Zweifel an der Gültigkeit des Testaments bestehen könnten, z.B. weil nicht klar ist, ob ein anderes Testament jünger ist. Ein jüngeres Testament hebt ein älteres auf! Kann nicht bewiesen werden, welches von mehreren, einander widersprechenden Testamenten das jüngere ist, so gilt keines der Testamente.

 

Beispiel: 

„Ich setze meine Tochter, Frau Stefanie Klug, zur Alleinerbin ein.

Berlin, den 2. Oktober 2005

Frau Doris Klug, geborene Schlau."

 

Ein Muster haben wir Opens internal link in current windowhier hinterlegt.

 

Vorsicht: Wenn Sie nicht deutscher Staatsangehöriger sind, sollten Sie prüfen lassen, ob andere Formvorschriften gelten! Bei Auslandsvermögen empfiehlt sich außerdem immer, auch die Formvorschriften des Belegenheitslandes zu beachten (Opens internal link in current windowmehr Informationen).

 

Was mache ich, wenn ich schon vorher ein Testament errichtet habe?

Durch Errichtung eines neuen Testaments widerrufen sie alle bisherigen Verfügungen, die dem neuen Testament widersprechen. Welche Verfügungen dem Testament widersprechen, kann allerdings unklar sein. Daher sollte das alte Testament ausdrücklich vollumfänglich widerrufen werden. Ein eigenhändigen Testament können Sie ohne weiteres durch Vernichtung widerrufen (z.B. zerreißen oder verbrennen). Unabhängig davon ist es immer sinnvoll bei Errichtung eines neuen Testaments alle vorherigen Testamente zu widerrufenneuen Testaments ausdrücklich zu widerrufen.

 

Beispiel:  

"Soweit gesetzlich zulässig widerufe ich sämtliche bisher errichteten Verfügungen von Todes wegen, unabhängig davon, ob sie einseitig oder vertragsmäßig getroffen wurden."

 

Gemeinschaftliche Testamente können nur beschränkt bzw. gar nicht mehr widerrufen werden (Opens internal link in current windowmehr Informationen). Ein Erbvertrag ist grundsätzlich nicht frei widerruflich.

 

Sichern Sie den überlebenden Ehegatten ab

Bei gesetzlicher Erbfolge erben die Kinder noch zu Lebzeiten des überlebenden Ehegatten (Opens internal link in current windowmehr Informationen). Die meisten Ehegatten wollen aber, dass der überlebende Ehegatte zunächst allein erbt. Daher sollten Sie diese Frage im Testament regeln.

 

Dies wird üblicherweise in Form des sog. „Berliner Testament“ getan. In diesem setzen sich die Ehegatten gegenseitig zu alleinigen Erben ein und bestimmen, dass der gemeinsame Nachlass nach dem Tode des überlebenden Ehegatten einem Dritten, z.B. den gemeinsamen Kindern, zufallen soll.

 

Beispiel:  

"Wir setzen uns gegenseitig zu alleinigen Erben ein. Nach dem Tod des zuletzt Versterbenden sollen unsere gemeinsamen Kinder zu gleichen Teilen erben".

 

Durch eine solche Formulierung können Sie allerdings nicht verhindern, dass die Kinder den Pflichtteil geltend machen. Daher sollten für die Kinder Anreize geschaffen werden, damit sie nicht nach dem Tod des Erstversterbenden Pflichtteilsansprüche geltend machen, z.B. durch eine sog. "Pflichtteilsstrafklausel".

 

Beispiel: 

"Macht einer der Pflichtteilsberechtigten Pflichtteilsansprüche geltende, erhält er beim Tod des Letztversterbenden ebenfalls nur den Pflichtteil".

 

Dies kann ergänzt werden durch die Anordnung eines aufschiebend bedingten Vermächtnisses zu Gunsten der Kinder, die nicht den Pflichtteil geltend machen. So wird sicher gestellt, dass das Kind, dass den Pflichtteil geltend macht, nicht besser gestellt wird, als die anderen Kinder.

 

Ein weiteres Problem bei gegenseitiger Erbeinsetzung der Ehegatten kann die sog. "Bindungswirkung“ sein. Nach dem Tod des Erstversterbenden ist der Überlebende nämlich im Hinblick auf sog. wechselseitige Verfügungen an das gemeinschaftliche Testament gebunden (Opens internal link in current windowmehr Informationen). Will man später das Testament ändern, z.B. weil die Schlusserben sich als undankbar erwiesen haben, ist dies grundsätzlich nicht mehr möglich. Daher können im Einzelfall sog. "Änderungsvorbehalte" sinnvoll sein.

 

 

Vorsicht: Bei größeren Vermögen sollten Sie die steuerlichen Auswirkungen bedenken. Durch die gegenseitige Erbeinsetzung der Ehegatten werden im 1. Erbfall die hohen Freibeträge der Kinder nicht genutzt.

 

Unterscheiden Sie zwischen Erbe und Vermächtnisnehmer

Viele Erblasser benutzen das Wort „vermachen" und meinen damit „vererben". Dies kann zu Unsicherheiten führen, ob der Bedachte Erbe werden soll oder „nur" Vermächtnisnehmer. Dies ist z.B. dann wichtig, wenn der Bedachte einen Erbschein benötigt. Dieser steht nur dem Erben, nicht aber dem Vermächtnisnehmer zu. Bei mehreren Erben entsteht außerdem eine Erbengemeinschaft. Vermächtnisnehmer werden nicht Mitglied der Erbengemeinschaft, sondern haben gegen die Erbengemeinschaft einen Anspruch auf Erfüllung des Vermächtnisses (Opens internal link in current windowmehr Informationen).

 

Beispiel: 

„Ich setze meine Tochter, Frau Stefanie Klug, und meinen Sohn, Herrn Manfred Klug, jeweils zur Hälfte zu Erben ein. Meiner Freundin Claudia Glücklich vermache ich mein Haus auf Teneriffa.´

 

Berlin, den 2. Oktober 2005

 

Frau Doris Klug, geborene Schlau."

 

Benennen Sie Ersatzerben und Ersatzvermächtnisnehmer

Erben bzw. Vermächtnisnehmer kann nur, wer Sie überlebt. Es ist nie auszuschließen, dass jemand vor Ihnen verstirbt. Stellen Sie daher klar, wer für den Fall des vorzeitigen Ablebens Ihres Erben an seine Stelle treten soll (sog. Ersatzerbe) bzw. wer an Stelle der Vermächtnisnehmers das Vermächtnis erhalten soll (sog. Opens internal link in current windowErsatzvermächtnisnehmer).

 

Beispiel: 

„Ich setze meine Tochter, Frau Stefanie Klug, als Alleinerbin ein. Sollte sie vor mir versterben, soll ihre Tochter Katja erben"

 

Sie können Vorerben und Nacherben einsetzen

Sie können in Ihrem Testament auch bestimmen, dass Ihr Vermögen zunächst einer bestimmten Person zukommen soll, welche nicht frei über das Erbe verfügen kann (=Vorerbe) und nach ihm eine von Ihnen bestimmte Person erben soll (= Nacherbe). Opens internal link in current windowMehr Informationen.

 

Beispiel:  

„Ich setze meine Tochter, Frau Stefanie Klug, als alleinige Vorerbin ein. Nach ihr soll ihre Tochter Katja erben (Nacherbin).."

 

Ernennen Sie einen Testamentsvollstrecker

Sie können im Testament einen Testamentsvollstrecker bestimmen, welcher Ihren Nachlass verwalten soll. Das ist insbesondere sinnvoll, wenn mehrere Personen erben sollen. Diese bilden nämlich eine sog. Erbengemeinschaft (Opens internal link in current windowMehr Informationen). In diesem Fall ist es sinnvoll jemanden zu bestimmen, der vor der Auflösung der Erbengemeinschaft den Nachlass verwaltet und den Nachlass unter den Erben verteilt (Opens internal link in current windowmehr Informationen).

 

Beispiel: 

"Ich ordne Testamentsvollstreckung an. Zu meinem Testamentsvollstrecker ernenne ich Herrn / Frau Else Klug. Wird sie nicht Testamentsvollstrecker oder entfällt das Amt später, soll Frau Frida Böse Testamentsvollstrecker sein. Der Testamentsvollstrecker hat die Aufgabe, die letztwilligen Verfügungen auszuführen un den Nachlass auseinander zu setzen. Der Testamentsvollstrecker kann die Teilung des Nachlasses nach seinem Ermessen vornehmen."

 

Es kann aber auch andere Gründe geben einen Testamentsvollstrecker einzusetzen.

 

Ausländische Rechtssysteme sehen teilweise vor, dass immer eine Art Testamentsvollstrecker tätig wird (Opens internal link in current windowmehr Informationen).

 

Fazit

Sofern einige Fallstricke bedacht werden, ist die Errichtung eines eigenhändigen Testaments oftmals unschwer möglich. Bei größeren Vermögen (Erbschaftsteuer!) oder komplizierten Sachverhalten (Auslandsbezug!) sollten Sie aber auf jeden Fall einen spezialisierten Rechtsanwalt konsultieren. 

 

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient nur der ersten Information und stellt keine Rechtsberatung dar, da diese nur unter Berücksichtigung aller Umstände des konkreten Einzelfalls möglich ist. Für Aktualität und Richtigkeit übernehmen wir keine Gewähr.

  

Kontakt: Sollten Sie eine verbindliche Rechtsauskunft wünschen, nehmen Sie bitte KONTAKT mit uns auf.

 

2009 © Jan-Hendrik Frank (Rechtsanwalt und Fachanwalt für Erbrecht)