Der Erbenermittler

Als Fachanwälte für Erbrecht werden wir immer wieder um Rechtsrat im Hinblick auf Erbenermittler gebeten. Die häufigsten Fragen zu Erbenermittlern haben wir hier mit kurzen Antworten zusammengestellt. 

1. Was ist Erbenermittlung?

Sind die Erben unbekannt, z.B. wenn es kein Testament gibt und daher entfernte Verwandte erben (gesetzliche Erbfolge), kann es erforderlich sein, dass die Erben ermittelt werden (Erbenermittlung). Diese Erbenermittlung gehört zu den Aufgaben des Nachlassgerichts bzw. des vom Nachlassgericht eingesetzten Nachlasspflegers. Diese können sich aber – unter bestimmten Voraussetzungen – der Hilfe von Dienstleistern bedienen. Hierzu gehören unter Umständen auch Erbenermittler.

 

2. Was ist ein Erbenermittler?

Erbenermittler (oder auch „Geneologe“, also Familienforscher, genannt) sind gewerbliche Dienstleister, welche sich auf die Ermittlung von Erben spezialisiert haben. Eine Berufsausbildung zum Erbenermittler gibt es nicht. Viele Erbenermittler sind aber Juristen oder Historiker. Zum Teil sind Erbenermittler selbständig tätig (z.B. Moser & Moser). Andere sind bei größeren Erbenermittlungs-Unternehmen (z.B. GEN-GmbH, Erbenermittlung Emrich oder „Hörner Bank“) beschäftigt.

 

3. Wer beauftragt den Erbenermittler?

Erbenermittler werden oftmals ohne Auftrag tätig und ermitteln dann auf eigene Rechnung. Die Informationen erhalten sie z.B. aus der Zeitung (amtliche Bekanntmachungen, Erbenaufruf). Oftmals erhalten sie ihre Informationen aber auch von dem gerichtlich bestellten Nachlasspfleger, siehe unten. Von diesem erhalten sie auch oftmals Ermittlungsvollmacht. Daher meinen viele Juristen, dass der Erbenermittler im Auftrag des Nachlasspflegers tätig werden soll (OLG Düsseldorf · Beschluss vom 5. März 2014 · Az. I-3 Wx 192/13). Das ist insbesondere im Hinblick auf Auskunftsansprüche von Bedeutung.

 

4. Wann darf der Nachlasspfleger einen Erbenermittler einschalten?

Grundsätzlich muss der vom Nachlassgericht eingesetzte Nachlasspfleger die Erben selbst ermitteln.  Erst wenn er alle erforderlichen und zumutbaren Maßnahmen zur Ermittlung der Erben selbst unternommen hat, darf er – wenn dies erfolglos war – einen Erbenermittler (Genealogen) einschalten; andernfalls kann sich der Nachlasspfleger schadensersatzpflichtig machen (OLG Düsseldorf · Beschluss vom 5. März 2014 · Az. I-3 Wx 192/13; LG Berlin, Urteil vom 14.09.2011 - 23 O 613/10). Verwandte darf der Nachlasspfleger nicht als Erbenvermittler beauftragen (§ 1795 BGB). Erfolgt dies dennoch, sollten Sie auf die Entlassung des Nachlasspflegers hinwirken.  

 

5. Wie kommt der Erbenermittler an Informationen

Oftmals erhalten Erbenermittler Informationen von dem gerichtlich bestellten Nachlasspfleger. Dieser erteilt ihnen dann auch oftmals eine Vollmacht, mit derer sie weitere Informationen einholen können, z.B. vom Standesamt oder Einwohnermeldeamt.  Oft erhalten Erbenermittler aber vor allem Informationen von bereits ermittelten Erben. Diese erteilen dann auch oftmals Vollmacht für weitere Ermittlungen.

 

6. Hat der Erbenermittler einen Anspruch auf Zahlung eines Honorars?

Der Erbenermittler hat keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Vergütung. Allerdings wird der Erbenermittler den ermittelten Erben nur dann behilflich sein, wenn diese der Zahlung einer Vergütung zustimmen. Eine solche Vergütungsvereinbarung legt er dann auch meist beim ersten Kontakt vor und bittet um Unterzeichnung. Diese Vergütungsvereinbarung muss der Erbe allerdings nicht unterzeichnen. Er kann insbesondere das Schreiben des Erbenermittlers zum Anlass nehmen, selbst mit dem Nachlassgericht Kontakt aufzunehmen und so unter Umständen die Vergütung des Erbenermittlers zu sparen.

 

7. Wie hoch ist die Vergütung des Erbenermittlers?

Je nach Schwierigkeit der Sache ist ein Erfolgshonorar zwischen 10 bis 35 % des Nachlasswertes üblich und angemessen. In Einzelfällen kann aber auch ein höheres Erfolgshonorar angemessen sein. In der Regel wird vereinbart, dass das Honorar alle Kosten der Ermittlung und Nachlassabwicklung abdeckt. Die Vergütung ist nach der Vereinbarung nur zu zahlen, wenn der Erbenermittler Erfolg hat und der Erbe auch Geld erhält. Zumeist wird dann vereinbart, dass sich der Erbenermittler seinen Anteil aus dem Nachlass nehmen kann.

 

8. Muss ich doppelt den Nachlasspfleger und den Erbenermittler zahlen?

Sie müssen damit rechnen, dass sowohl der Nachlasspfleger eine Vergütung verlangt als auch der Erbenermittler. Das kann auch berechtigt sein. Hat allerdings der Nachlasspfleger verfrüht einen Erbenermittler eingeschaltet, kann seinem Vergütungsanspruch unter Umständen ein Schadensersatzanspruch entgegengehalten werden. Ferner ist die Beauftragung des Erbenermittlers bei der Festsetzung der Vergütung des Nachlasspflegers zu berücksichtigen. War die Ermittlung der Erben der schwierigste Teil, kann daher ein deutlich gesenkter Stundensatz verlangt werden (OLG Düsseldorf, I-3 Wx 245/13).

 

9. Was ist, wenn einzelne Erben ermittelt sind und andere nicht?

Bereits ermittelte Erben können einen Teil-Erbschein beantragen. Dann endet insoweit auch die Nachlasspflegschaft. Bei teilbaren Gegenständen (z.B. Geld) können sie dann auch gleich Auszahlung verlangen.

 

10. Was ist, wenn ich nichts mehr von dem Erbenermittler höre?

Das kann viele Ursachen haben. Es kann z.B. sein, dass Sie doch nicht erben. Es kann aber auch sein, dass die Erbenermittlung sehr aufwendig ist. In solchen Fällen sollten Sie den Erbenermittler um Auskunft über den Sachstand bitten. Ein Auskunftsanspruch ergibt sich in der Regel aus dem Vertragsverhältnis. Wird diese Pflicht verletzt, kann der Vertrag unter Umständen gekündigt werden und das "in Erfüllung des Auftrags erlangte" heraus verlangt werden, wenn im Vertrag nichts anderes bestimmt ist. 

 

 

 

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient nur der ersten Information und stellt keine Rechtsberatung dar, da diese nur unter Berücksichtigung aller Umstände des konkreten Einzelfalls möglich ist. Für Aktualität und Richtigkeit übernehmen wir keine Gewähr.

  

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2009 © Jan-Hendrik Frank (Rechtsanwalt und Fachanwalt für Erbrecht)