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Kanadisches Erbrecht


Nachfolgend werden Antworten auf die am öftesten gestellten Fragen zum Thema „Erben und Vererben in Kanada“ beantwortet.

 

Gibt es ein kanadisches Erbrecht?

Ein "kanadisches Erbrecht oder Erbrecht von Kanada" gibt es genau genommen nicht. Vielmehr hat jede Provinz von Kanada sein eigenes Erbrecht. Es gibt daher das Erbrecht von Alberta, das Erbrecht von British Columbia oder das Erbrecht von New Brunswick, nicht aber das "kanadische Erbrecht".

 

Welches Erbrecht ist anzuwenden?

Aus der Sicht eines kanadischen Gerichts wird der bewegliche Nachlass nach dem Recht des letzten Domizil (Domicile) vererbt. Damit ist die "Zugehörigkeit zu einem Rechtskreis" gemeint. Man hat daher nicht etwa ein Domizil in Berlin oder in Toronto, sondern in Deutschland oder Kanada. Deutsche Gerichte wenden hingegen das Recht der Staatsangehörigkeit des Erblassers an. Lebt ein Kanadier dauerhaft in Deutschland wird aber ausnahmsweise (Kraft Rückverweisung) auf seinen Nachlass deutsches Erbrecht angewandt.

 

Gilt dies auch für Immobilien in Kanada?

Im Hinblick auf den unbeweglichen Nachlass gilt das Recht an dem die Immobilie sich befindet. Bei Immobilien in Kanada wendet ein kanadisches Gericht daher immer kanadisches Erbrecht an. Deutsche Gerichte akzeptieren dies.

 

Was ist, wenn aus deutscher Sicht ein anderes Recht anzuwenden ist als aus der Sicht von Kanada?

In diesem Fall kann man versuchen sich diesen "Nachlasskonflikt" zu Nutze zu machen (Forum Shopping). Ob dies möglich ist, hängt davon ab, wo die Beteiligten leben und wo sich der Nachlass und das Vermögen der anderen Beteiligten befindent.

 

Wie macht man in Kanada ein Testament?

In Kanada Erbrecht ist es üblich ein Testament in der Form eines Zwei-Zeugen-Testaments zu errichten. Das Zwei-Zeugen-Testament muss schriftlich, aber nicht zwingend handschriftlich, errichtet werden. Mindestens zwei Zeugen müssen die Errichtung bezeugen und durch Unterschrift attestieren, dass der Erblasser die Erklärung abgegeben hat und diese den Willen des Erblassers darstellt. Bestimmte Personen dürfen nicht bei der Errichtung des Testaments als Testierzeuge mitwirken (z.B. Begünstigte oder der Ehegatte). In manchen Provinzen ist es neben dem Zwei-Zeugen-Testament auch zulässig, ein eigenhändiges Testament (holograph will) zu errichten.

 

Wird ein deutsches Testament in Kanada anerkannt?

Kanada ist kein Mitgliedstaat des Haager Übereinkommens über die Form letztwilliger Verfügungen (TestfÜbk). Nach fremden Recht formwirksam errichtete Testamente werden aber von einigen Provinzen (z.B. Ontario) unter Umständen (z.B. wenn sie der Ortsform genügen) als der Form nach wirksam anerkannt. Soweit deutsches Recht anzuwenden ist, ist natürlich ein deutsches Testament auch der Form nach in Kanada anzuerkennen. 

 

Gibt es einen Pflichtteil im kanadischen Erbrecht?

Einen Pflichtteil wie im deutschen Recht gibt es im kanadischen Recht nicht.Allerdings können abhängige oder bedürftige Personen (z.B. minderjähriges Kind, Ehegatte, Lebensgefährte), welche dem Erblasser nahestanden, unter gewissen Voraussetzungen Zahlungen aus dem Nachlass verlangen (siehe z.B. für Ontario: Family Law Act).Nach dem Erbrecht von British Columbia kann das Gericht, "unangemessene" testamentarische Verfügungen des Erblasser ändern.

 

Wer erbt nach kanadischem Recht, wenn es kein Testament gibt?

Wenn es kein (wirksames) Testament gibt, gelten die Regeln der gesetzlichen Erbfolge. Danach erbt in den meisten Provinzen (z.B. Ontario, BC) der überlebende Ehegatte den gesamten Nachlass, wenn der Verstorbene nicht von Kinder oder anderen Abkömmlingen überlebt wird.

Wird er Erblasser von Kindern überlebt, erhält der überlebende Ehegatte vorab einen Festbetrag. Außerdem erhält er einen Anteil am verbleibenden Nachlass.Die Kinder des Erblassers erhalten alles, was der überlebende Ehegatte nicht erhält, zu gleichen Teilen. Kinder der Kinder (Enkel des Erblassers) treten an die Stelle eines vorverstorbenen Kindes.

 

Wird ein deutscher Erbschein in Kanada anerkannt?

Ein deutscher Erbschein wird in Kanada in der Regel nicht anerkannt. Allerdings kann er unter Umständen als eine Art Rechtsgutachten zum deutschen Recht Berücksichtigung finden. 

 

Wer kümmert sich um die Verwaltung des Nachlasses in Kanada?

In Kanada wird der Nachlass immer durch eine Art Testamentsvollstrecker, den "personal representative" oder "Estate Trustee" abgewickelt.Dieser wird nachfolgend als "Nachlassabwickler" bezeichnet.

 

Kann ein kanadischer Nachlassabwickler in Deutschland tätig werden?

Ist er im Testament als Nachlassabwickler bestellt und somit einem deutschen Testamentsvollstrecker vergleichbar, wird ihm auf Antrag ein Testamentsvollstreckerzeugnis erteilt. 

 

Wer ist zum Nachlassabwickler in Kanada berufen?

Wer zum Nachlassabwickler bestellt werden kann und zu bestellen ist, richtet sich in erster Linie nach dem Testament. Hat der Erblasser nichts bestimmt oder ist der benannte Nachlassverwalter nicht Willens oder fähig die Verwaltung durchzuführen, wird auf Antrag durch das Gericht ein Nachlassverwalter bestellt.

 

Wie kann der kanadische Nachlassabwickler seine Rechte nachweisen?

Auf Antrag wird dem Nachlassabwickler ein Zeugnis über seine Bestellung erteilt (certificate of appointment of estate trustee).

 

Was passiert mit gemeinschaftlichen Konten im Todesfall?

Das hängt von den Vereinbarungen im Bankvertrag ab. Die Vertragspartner können z.B. vereinbaren, dass eine bestimmte Person das Guthaben im Todesfall erhält. Sie können auch vereinbaren, dass der überlebende Kontomintinhaber das Kontoguthaben zustehen soll. Wird nichts vereinbart, fällt der Anteil des Verstorbenen Kontomitinhabers in den Nachlass und wird vom Nachlassverwalter mitverwaltet.

 

Was passiert mit Immobilien im Erbfall?

Gemeinschaftliche Eigentümer können vereinbaren, dass die Immobilie auf den überlebenden übergeht. Unter Umständen muss er aber dennoch einen Ausgleich in den Nachlass zahlen. Das hängt wiederum von der vertraglichen Vereinbarung ab. 

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