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Erbrecht im UK (England & Wales, Schottland, Nordirland) und Hong Kong


Nachfolgend werden die uns am öftesten gestellten Fragen zum Thema Erben und Vererben in England beantwortet

 

Was ist das "UK" bzw. Vereinigte Königreich?

Das Vereinigte Königreich bezeichnet England, Schottland, Wales und Nordirland.

 

Gibt es ein einheitliches Recht im UK?

England und Wales haben ein einheitliches Erbrecht. Das Erbrecht von Nordirland ist diesem ähnlich, unterscheidet sich aber zum Teil. Das Erbrecht von Schottland weicht hingegen stark von englischen Erbrecht ab. Das Erbschaftsteuerrecht ist in allen Teilrechtsgebieten gleich.

Welches Erbrecht ist anzuwenden?

Englische Gerichte wenden im Hinblick auf Immobilien immer das Recht des Lageortes an. Für bewegliche Sachen gilt nach englischem IPR das Recht des letzten Domicile des Erblassers. War der Erblasser Engländer und hatte er sein Domicile in Deutschland wenden Englische Gerichte allerdings englisches Recht „kraft Rückverweisung“ an (Foreign Court Theory“). Aus deutscher Sicht ist hingegen die Staatsangehörigkeit des Erblassers maßgebend. Allerdings vererben sich auch aus deutscher Sicht in England belegene Immobilien nach englischem Erbrecht.

 

Wird ein deutsches Testament in England anerkannt?

m Grundsatz ist ein Testament in England als Zwei - Zeugen Testament zu errichten. Nach Sec. 1 des Wills Act 1963 werden aber auch andere Formen anerkannt. Ein in der Form des deutschen Rechts errichtetes Testament wird daherundefined in der Regel auch in England anerkannt.

 

Was ist ein Executor oder Administrator?

Exectuor und Administrator sind gerichtlich bestellte bzw. bestätigter „Nachlassverwalter“.

 

Was sind die Aufgaben des Nachlassverwalters in England?

Die Aufgaben des englischen Nachlassverwalters umfassen die Sicherung des Nachlasses, die Verwaltung des Nachlasses und die Verteilung des Nachlasses. 
 

Wie erhalte ich einen Englischen Erbschein?

Einen englischen Erbschein gibt es nicht. Vielmehr wird auf Antrag dem Nachlassverwalter ein Zeugnis über seine Rechte (Grant of probate bzw. Letters of Administration) ausgestellt.

 

Wie lange dauert die Nachlassabwicklung?

Wie lange die Nachlassabwicklung in England dauert, hängt natürlich sehr davon ab, ob die notwendigen Informationen vorliegen. Auch in einfachen Fällen muss man aber mit einer Verfahrensdauer von mindestens 1 Jahr rechnen. 

 

Wie viel erhalte ich?

Wer wie viel vom (Netto-) Nachlass erhält, bestimmt vorrangig das Testament. Gibt es kein Testament, wird die Verteilung nach der sog.gesetzlichen Erbfolge bestimmt. Dabei ist zunächst zu klären, welches Recht anzuwenden ist. Dies ist wichtig, da dieundefined gesetzliche Erbfolge nach englischem Erbrecht deutlich von der gesetzlichen Erbfolge nach deutschem Recht abweicht.

 

Gibt es ein Pflichtteilsrecht?

Ein Pflichtteilsrecht nach englischem  Recht  wie in Deutschland gibt es in England & Wales nicht. Hat der Erblasser allerdings "unangemessen" Familienmitglieder nicht bedacht, können diese unter Umständen auf Antrag einen Betrag aus dem Nachlass erhalten.

 

Was ist Joint Tenancy?

Bei der Joint tenancy sind 2 oder mehr Personen Berechtigte an einen Gegenstand (z.B. Konto oder Immobilie) zur gesamten Hand. Stirbt einer der Berechtigten, erwirbt der Überlebende das alleinige Recht. Eine Nachlassverwaltung findet insoweit nicht statt. Auskünfte des Nachlassverwalters erfassen daher derartiges Vermögen regelmäßig nicht.

 

Gibt es eine Erbschaftsteuer in England bzw. dem UK?

Es gibt eine Steuer, die auf den Tod anfällt, die Inheritance Tax (nachfolgend „IHT“). Sie ist im   Inheritance Tax Act (nachfolgend „IHTA“) geregelt und wird im gesamten UK erhoben.

 

Wer muss die englische Erbschaftsteuer zahlen?

Besteuert wird der Nachlass und nicht etwa - wie in Deutschland - der Erwerb der Begünstigten. Dahe wird die Steuer auch als Nachlasssteuer bezeichnet.

 

Fällt bei jedem internationalen Erbfall mit Bezügen zum UK IHT an?

Der gesamte Nachlass unterliegt der unbeschränkten Steuerpflicht, wenn der Erblasser bei seinem Tod sein Domizil („domicile") im UK hatte.

 

Fällt auch englische Erbschaftsteuer an, wenn der Erblasser sein Domicile nicht im UK hatte?

In allen anderen Fällen unterliegt der Nachlass nur der beschränkten Steuerpflicht („situs taxation“), d.h. nur das Inlandsvermögen im Sinne des IHTA ist im UK steuerbar.

 

Gibt es Ausnahmen von der Besteuerung?

Für die englische Erbschaftsteuer werden einige Steuerbefreiungen („Exempt Transfers“) gewährt. So ist z.B. der Übergang auf den Ehegatten steuerbefreit. Dies gilt aber nicht, wenn der Erblasser kein Domicile in England hatte und daher nur das in England belegene Vermögen versteuert wird.

Wie hoch sind die Steuersätze der englischen Erbschaftssteuer?

Die Steuersätze („tax rates“) werden jährlich indexiert. Im Steuerjähr 2009 / 10 gilt für Beträge über der Nil Band Rate (£325,000) ein Steuersatz von 40 %.

 

Besteht die Gefahr einer Doppelbesteuerung?

Zwischen dem UK und Deutschland gibt es auf dem Gebiet der Erbschafts- und Schenkungssteuer kein Doppelbesteuerungsabkommen. Allerdings ist nach deutschem Recht oft eine Anrechnung der im Ausland gezahlten Erbschaftsteuer möglich. 

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