Gesetzliche Erbfolge in Spanien- wer erbt, wenn kein Testament vorhanden ist?

Ist spanisches Erbrecht anwendbar und hat der Verstorbene (Erblasser) kein Testament hinterlassen und zu Lebzeiten auch keinen Erbvertrag abgeschlossen, gilt die sog. gesetzliche Erbfolge (sucesión intestada).

 

Rechtsquellen

Diese ist in den Artikeln 912 bis 958  Codigo Civil (CC) und in den foralen Erbfolgegesetzen geregelt. Die nachfolgende Darstellung beschränkt sich auf die gesetzliche Erbfolge nach dem CC.

 

Wann tritt die gesetzliche Erbfolge ein?

Gemäß Art. 981 a 987 CC tritt die gesetzliche Erbfolge eine, wenn der Erblasser 

  • ohne Testament oder mit Testament nur für einen Teil des Nachlasses
  • DasTestament ist von Anfang an unwirksam (z.B. weil es formunwirksam ist)
  • das Testament wird später unwirksam (z.B. wegen Anfechtung)
  • der testamentarische Erbe hat die Erbschaft ausgeschlagen
  • der Erbe ist erbunfähig oder erbunwürdig

 

Ebrecht der Verwandten

Die gesetzliche Erbfolge bestimmt sich in erster Linie nach der Verwandschaft des Erblassers. Hiernach gilt: Zunächst erben Abkömmlinge der absteigenden Linie zu (Art. 930 -934 CC). Die Kinder erben zu gleichen Teilen. Die Enkel und übrigen Abkömmlinge treten an die Stelle eines vorverstorbenen Kindes (Art. 934 CC). Gibt es zum Zeitpunkt des Todes keine Abkömmlinge des Verstorbenen beerben ihn seine Eltern (Art. 935 CC). Vater und Mutter Erben zu gleichen Teilen (Art. 936 CC). Ist nur noch ein Elternteil vorhanden, so erbt er allein  (Art. 937 CC). Sind beide Eltern verstorben, wird der gradnächste Vorfahren Erbe  (Art. 938 CC). Gibt es auch keine Vorfahren, erben der Ehegatte (Art. 944 CC). Überlebt den Erblasser der Ehegatten nicht, erben als nächstes die Verwandten in Seitenlinie in der in den Art. 944 CC bis 955 CC bestimmten Ordnung (Art. 943 – 955 CC ). Fehlt es auch an solchen Erben, erbt der Staat (Art. 956 -958 CC) .

 

Asprüche des überlebenden Ehegatten

Sofern testamentarisch nichts anderes bestimmt wurde, erhält der ungetrennt lebende oder nicht schuldhaft getrennt lebende Ehegatte ein Nießbrauchsrecht an einer Quote des Nachlasses in folgender Höhe:

  •  1/3 neben den Abkömmlingen (Art. 834 CC)
  • 1/2 neben den Vorfahren in gerader Linie (Art. 837 CC)
  • 2/3 neben Seitenverwandten (Art. 838 CC).

 

Daneben erhält der Ehegatte die Hälfte des Vermögens der Errungenschaftsgemeinschaft (Art. 1392, 1404 CC).  

 

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient nur der ersten Information und stellt keine Rechtsberatung dar, da diese nur unter Berücksichtigung aller Umstände des konkreten Einzelfalls möglich ist. Für Aktualität und Richtigkeit übernehmen wir keine Gewähr.

  

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2009 © Jan-Hendrik Frank (Rechtsanwalt und Fachanwalt für Erbrecht)