Erbengemeinschaft in Spanien - Steuern, Streit, Auseinandersetzung

Viel Deutsche mit Vermögen im Ausland versäumen es ihre Nachfolge rechtzeitig zu regeln. Dies führt neben einer hohen Belastung mit spanischer Erbschaftssteuer auch immer wieder zu Streitigkeiten unter den Erben. Der Beitrag verdeutlicht die Problematik und zeigt Lösungen auf.

 

Deutsches Erbrecht oder spanisches Erbrecht?

Deutsche Staatsbürger vererben auch Spanien Vermögen nach deutschem Erbrecht (Opens internal link in current windowmehr Informationen). Auf die Nationalität der Erben kommt es nicht an. Der Beitrag skizziert daher die Rechtslage nach deutschem Recht und weist auf spezifische Probleme in Spanien hin.

 

Bei mehreren Erben besteht eine Erbengemeinschaft

Erben mehrere Personen, so entsteht eine Erbengemeinschaft. Der einzelne Miterbe kann über einen einzelnen Nachlassgegenstand nicht verfügen (vgl. § 2033 Abs. 2 BGB). Die Erbengemeinschaft kann über einen einzelnen Nachlassgegenstand nur gemeinsam und durch einstimmigen Beschluss verfügen (vgl. § 2040 BGB). Außerdem sind die Erben gemeinsamschaftlich zur Verwaltung des Nachlasses berechtigt (vgl. § 2038 Satz 1 BGB), d.h. alle Entscheidungen müssen gemeinsam getroffen werden. Dass hierin eine enorme Sprengkraft liegt, dürfte unmittelbar einleuchten. Da für deutsche Staatsbürger deutsches Erbrecht gilt, verweisen wir für weitere Informationen zur Verwaltung der Erbengemeinschaft (Opens internal link in current windowmehr Informationen) und zur (Opens internal link in current windowmehr Informationen) auf die Ausführungen zum deutschen Erbrecht.

 

Warum ist ein Erbengemeinschaft in Spanien so problematisch?

Bei Vererbung von Immobilien in Spanien fällt immer spanische Erbschaftssteuer an (Opens internal link in current windowmehr Informationen). Diese kann in ungünstigen Fällen mehr als 80 % betragen (Opens internal link in current windowmehr Informationen).  Die spanische Erbschaftssteuer ist grundsätzlich innerhalb von 6 Monaten nach dem Tod zu zahlen. Kann einer der Erben die Erbschaftssteuer nicht aufbringen, so droht im schlimmsten Fall eine Verwertung der gesamten Immobilie durch die spanischen Finanzbehörden. Außerdem ist die Gefahr groß, dass die anderen Erben die Notlage des bedürftigen Erben ausnutzen und ihm seinen Anteil zu einem zu niedrigen Preis abfinden.

 

Neben dem steuerlichen Problem bereitet die Verwaltung des spanischen Nachlasses oftmals erhebliche Schwierigkeiten. Dies führt leider oft zum Missverständnissen und damit zu Streit. Ist niemand vor Ort ist außerdem die Erhaltung der Immobilie und die Nachlasssicherung ein Problem. Leider werden "leer" stehende Immobilien immer wieder gerne von "Freunden" ausgeplündert.

 

Schließlich ist es problematisch, dass - sofern der Erblasser im Testament nichts anderes bestimmt - jeder Miterbe jederzeit verlangen kann, dass die Erbengemeinschaft aufgelöst wird. Einigen sich die Erben nicht auf einen gemeinsamen Verkauf, droht dann ein Rechtsstreit (Teilungsklage) und die (Teilungs-) Versteigerung. Im Streitfall müssen sich die Erben unter Umständen vor einem spanischen Gericht streiten. Das ist nicht nur sehr Zeitaufwändig, sondern auch teuer. Nichtstun ist daher keine Option.

 

Was sollte ich bei Vermögen in Spanien tun um Erbstreitigkeiten zu vermeiden?

Sind mehrer Immobilien verhanden, bietet es sich an im Testament zu bestimmen, welcher Erbe welchen Gegenstand erhalten soll (sog. „Teilungsanordnung“). Werden sowohl deutsche und spanische Immobilien vererbt, ist dabei die hohe spanische Erbschaftssteuer zu berücksichtigen, da ansonsten leicht ein Erbe viel weniger erhält als der andere. Außerdem ist bei Spanien Vermögen die Bestellung eines Testamentsvollstreckers zu empfehlen, der für die 'Verwaltung der Spanien Immobilie sorgt. Dies kann ein Freund oder ein Rechtsanwalt sein. Außerdem empfiehlt sich eine Beratung im Hinblick auf die spanische Erbschaftssteuer (Opens internal link in current windowmehr Informationen). Fast immer läßt sich hier eine hohe Ersparnis erreichen, ohne dass der Senior hierdruch irgendwelche Nachteile hätte.

 

 

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient nur der ersten Information und stellt keine Rechtsberatung dar, da diese nur unter Berücksichtigung aller Umstände des konkreten Einzelfalls möglich ist. Für Aktualität und Richtigkeit übernehmen wir keine Gewähr.

  

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2009 © Jan-Hendrik Frank (Rechtsanwalt und Fachanwalt für Erbrecht)