Spanische Erbschaftssteuer - Berechnung

Nachfolgender Beitrag gibt einen Überblick über die Berechnung der spanischen Erbschaftsteuer bei Opens internal link in current windowSteuerpflicht in Spanien.

 

I. Erster Schritt: Ermittlung des steuerpflichtigen Erwerbs

Zunächst ist der Nettowert des erworbenen Vermögens, welcher sich nach Abzug der Lasten, Schulden und Ausgaben ergibt, zum Zeitpunkt des Todes zu ermitteln. Hierzu muss zunächst der Wert des Vermögensanfalles ermittelt werden. Dabei ist im Grundsatz der Verkehrswert maßgeblich. Im übrigen richtet sich die Bewertung des Vermögens richtet sich nach den Bewertungsgrundsätzen des Vermögensteuergesetzes. Hiernach wird wie folgt bewertet.

 

1. Bankguthaben

Saldo zum Zeitpunkt des Erbfalls

 

2. Immobilien

Der höchste nachfolgender Werte

  1. Der Steuerkontrollwert (Katasterwert  x Koeffizient)
  2. Der von der Behörde festgestellte Wert
  3. Die für den Erwerb erbrachte Gegenleistung
3. Anteile an Kapitalgesellschaften

Für börsennotierte Anteile an Kapitalgesellschaften ist der einen Tag vor dem Erbfall geltende Kurswert maßgeblich. Nicht notierte Anteile werden nach dem Wert der letzten genehmigten Bilanz bewertet.

 

II. Zweiter Schritt: Ermittlung der Freibeträge

Im 2. Schritt ist der oder die Freibeträge zu ermitteln.  

 

1. Allgemeiner persönlicher Freibetrag nach Art. 20 Ziff. 1 spanisches Erbschatssteuer - Gesetz

Den allgemeinen persönlichen Freibetrag des Art. 20 Ziff. 1 ErbStG (Spanien) kann jeder in Anspruch nehmen. Die höhe ist abhängig vom Verwandtschaftsgrad:

 

2. Persönlicher Freibetrag eines Behinderten nach Art. 20 Ziff. 2 a) spanisches Erbschaftssteuer – Gesetz

Behinderte können nach Art. 20 Ziff. 2 a) spanisches Erbschaftssteuer – Gesetz i.V.m. Art. 42 Ziff. 2 einen weiteren Freibetrag in Abzug bringen. Der Freibetrag beträgt im Grundsatz EUR 47.858,59. Bei einer Behinderung von mehr als 65 % Behindert beträgt der Freibetrag EUR 150.253,03.

 

3. Persönlicher Freibetrag bei Erwerb eines Familienbetriebes nach Art. 20 Ziff. 2 c) spanisches Erbschaftssteuer – Gesetz

Erwirbt eine Ehegatte, Nachkomme oder Adoptivkind des Erblassers ein Einzelunternehmen, einen gewerblichen Betrieb oder eine Beteiligung an einer Körperschaft oder ein Nießbrauchsrecht hieran, so wird der Wert des steuerpflichtigen Erwerbs um 95 % gekürzt.

 

4. Freibetrag für Wohnung des Erblassers nach Art. 20 Ziff. C) des spanischen Erbschaftssteuer – Gesetz

Wird eine Wohnung vererbt, so ist diese bis zu einem Höchstbetrag von EUR 122.606.47 zu 95 % steuerfrei, wenn (kumulativ)

  1. die Wohnung vom Erblasser selbst als Wohnung selbst genutzt wurde (nicht nur als Feriendomizil!),
  2. der Erbe der Ehegatte, ein Vorfahre, ein Nachkommen (z.B. Kind) oder ein Verwandter der Nebenlinie (Älter als 65 Jahre und 2 Jahre zusammen mit dem Erblasser die Immobilie bewohnt) ist,
  3. der Erbe die Immobilie 10 Jahre nicht veräußert.
5. Weitere Freibeträge der spanischen Erbschaftssteuer

Folgende weitere Freibeträge gibt es, die in der Regel für Deutsche keine Rolle spielen:

  1. Land- und forstwirtschaftliche Betriebe, vgl. erste Schlussbestimmung Ziff. 1 span. ErbStG
  2. Historisches Erbe, vgl. Art. 20 Ziff. 2c) spanisches Erbschaftssteuer - Gesetz

 

III. Dritter Schritt: Ermittlung der Steuerklasse der spanischen Erbschaftssteuer

Die Steuerklasse richtet sich nach dem Grad der Verwandtschaft des Erblassers und des Erwerbers (Erbe, Vermächtnisnehmer, Pflichtteilsberechtiger).  

 

 

Steuerklasse 1

Steuerklasse 2

Steuerklasse 3

Steuerklasse 4

  1. Abkömmling (Kind oder Kindeskind) unter 21 Jahren

  2. Adoptivkinder unter 21 Jahren

  1. Abkömmlinge über 21 Jahre

  2. Ehegatten

  3. Eltern

  4. Adoptiveltern

  5. Großeltern

  1. Verwandte 2. Grades

  2. Verwandte 3.Grades

  1. Verwandte ab 4. Grad

  2. Nichtverwandte

  3. Nichtehelicher Lebensgefährte

 

 

 

IV. Vierter Schritt: Steuertarif nach Art. 21 spanisches Erbschaftssteuer Gesetz (Spanien)

Nach Art. 21 ErbStG (Spanien) wird der Steuersatz wie folgt ermittelt:

 

 

Steuerpflichtiger Erwerb bis zu EURO

Grundbetrag der Steuer in EURO

Restbetrag bis zu EURO

Steuersatz in %

0

0

7.993,46

7,65

7.993,46

611,50

7.987,45

8,50

15.980,91

1.290,43

7.987,45

9,35

23.968,36

2.037,26

7.987,45

10,20

31.955,81

2.851,98

7.987,45

11,05

39.943,26

3.734,59

7.987,46

11,90

47.930,72

4.685,10

7.987,45

12,75

55.918,17

5.703,50

7.987,45

13,60

63.905,62

6.789,79

7.987,45

14,45

71.893,07

7.943,98

7.987,45

15,30

79.880,52

9.166,06

39.877,15

16,15

119.757,67

15.606,22

39.877,16

18,70

159.634,83

23.063,25

79.754,30

21,25

239.389,13

40.011,04

159.388,41

25,50

398.777,54

80.655,08

398.767,54

29,75

797.555,08

199.291,40

u.s.w.

34,00



V. Fünfter Schritt: Berücksichtigung des Multiplikators

Die spanische Erbschaftsteuer berücksichtigt außerdem auch die Vermögenssituation des Erben. So wird - abhängig von dessen (Vor-) Vermögen der ermittelt Wert nochmals durch einen sog.  Multiplikator geändert. Diese Multiplikatoren berechnen sich wie folgt: 

 

 

Wert des Vorvermögens

Steuerklasse I und II

Steuerklasse III

Steuerklasse IV

Bis 402.678,11

1,0000

1,5882

2,0000

Bis 2.007.380,43

1,0500

1,6676

2,1000

Bis 4.020.770,98

1,100

1,7471

2,200

über 4.020.770,98

1,200

1,9059

2,4000

 

Beispiel:

Herr Manfred Klug, deutscher Staatsbürger, wohnhaft in Berlin, möchte, dass seine langjährige Lebensgefährtin, Frau Else Lang, wohnhaft in Berlin, nach seinem Tod eine Villa auf Teneriffa im Wert von 850.000, EUR erhält. Frau Else Lang hat in Spanien kein (Vor-) Vermögen.
 
Frau Lang ist in Spanien beschränkt steuerpflichtig, d.h. die Immobilie in Spanien unterfällt der spanischen Erbschaftssteuer. Als Nicht-Verwandte fällt Frau Lang unter die Steuerklasse IV. Somit steht ihr kein Freibetrag zur Verfügung. Bis zu einem Betrag von 797.555,08 Euro muss sie entsprechend der Tabelle 199.291,40 EUR zahlen. Der effektive Steuersatz von 34% wird auf den sich ergebenen Differenzbetrag zwischen 797.555,08 Euro und 850.000 Euro, also 52.444,92 Euro angewendet. Dies ergibt eine Steuerschuld von weiteren 17.831,27 Euro. Die Erbschaftsteuerschuld beträgt somit 217.122,67 Euro. Dieser Betrag ist nochmals zu verdoppeln. Insgesamt sind somit 434.245,34 Euro Erbschaftsteuer fällig. Hinzu kommt u.U. noch die gemeindliche Wertzuwachsteuer (Plus Valia).

 

 

Fazit Berechnung spanische Erbschaftssteuer

Die Freibeträge in Spanien sind im Vergleich mit den deutschen Freibeträgen gering. Viele Vergünstigungen können Deutsche außerdem in der Praxis nicht nutzen. Da auch die Freibeträge in Spanien niedriger sind als in Deutschland (Opens internal link in current windowmehr Informationen), und eine Anrechnung auf die deutsche Erbschaftsteuer nicht immer vollumfänglich möglich ist (Opens internal link in current windowmehr Informationen), sollte geprüft werden, ob durch eine steuerliche Optimierung spanische Erbschaftsteuer gespart werden kann (Opens internal link in current windowmehr Informationen). Gleichzeitig sollten Sie prüfen, ob nicht auch Opens internal link in current windowdeutsche Erbschaftssteuer gespart werden kann.

 

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient nur der ersten Information und stellt keine Rechtsberatung dar, da diese nur unter Berücksichtigung aller Umstände des konkreten Einzelfalls möglich ist. Für Aktualität und Richtigkeit übernehmen wir keine Gewähr.

  

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2009 © Jan-Hendrik Frank (Rechtsanwalt und Fachanwalt für Erbrecht)