„Berliner Testament“ – Vorsicht Steuerfalle!

Zu überraschenden steuerlichen Nachteilen führt oftmals das in Deutschland weit verbreitet "Berliner Testament". Durch legale Steuertricks kann aber eine erhöhte Besteuerung vermieden und der Wille der Erblasser dennoch voll umgesetzt werden.

 

Was ist ein Berliner Testament?

In einem Berliner Testament setzen sich die Ehegatten gegenseitig zu alleinigen Erben ein und bestimmen, dass der gemeinsame Nachlass nach dem Tode des Letztversterbenden einem Dritten, z.B. den gemeinsamen Kindern, zufallen soll.

 

Welche steuerlichen Nachteile hat das Berliner Testament?

Diese Regelung, welche aus berechtigter Sorge um die Versorgung des überlebenden Ehegatten getroffen wird, bringt allerdings oftmals ungewollte steuerliche Nachteile mit sich. So werden die Freibeträge der Erbschaftssteuer (z.B. allgemeiner Freibetrag der Kinder: 205.000 Euro), nicht genutzt und der überlebende Ehegatte muss das gesamte Erbe versteuern. Damit nicht genug: Nach dem Tod des überlebenden Ehegatten müssen die Kinder nochmals auf das volle Erbe Erbschaftsteuer zahlen!

 

Beispiel:

Herr Klug hat ein Vermögen von 1 Million Euro in Bargeld, welches er aus einer Erbschaft erworben hat (also kein Zugewinn!). Er ist verheiratet und hat mit seiner Frau 2 gemeinsame Kinder. Die Eheleute Klug regeln ihren Nachlass durch ein Berliner Testament. Herr Klug stirbt. Frau Klug erbt somit nach dem Testament 1 Million Euro. Zu versteuern sind 437.000,00 Euro (1 Million Euro abzüglich dem persönlichen Freibetrag in Höhe von 307.000 Euro und dem Versorgungsfreibetrag in Höhe von 256.000 Euro). Der Steuersatz beträgt im konkreten Fall 15 %. Frau Klug muss daher 437.000,00 Euro mit 15 % versteuern. Es fallen also 65.550 Euro Erbschaftssteuer an. Nunmehr stirbt auch Frau Klug. Die Kinder Klug müssen nach dem Tod von Frau Klug und Vererbung von 1 Million Euro nochmals jeweils 39.333,75 Euro Erbschaftsteuer zahlen. Insgesamt werden somit 144.217,50 Euro Erbschaftsteuer gezahlt (65.550 + 39.333,75 + 39.333,75).

 

Würden die Eltern Klug bereits im Testament ihren Kindern einen Betrag in Höhe ihres Freibetrages von 205.000 Euro vermachen, könnte hier ein weiterer Betrag von jeweils Euro 410.000 steuerfrei übertragen werden. Frau Klug müsste lediglich 27.000 Euro versteuern. Bei einem Steuersatz von 7 % wären somit nur 1.890 Euro Erbschaftsteuer zu zahlen – das ist eine Steuerersparnis von 63.660 Euro! Nach dem Tod von Frau Klug käme auf jedes Kind eine verminderte steuerliche Belastung in Höhe von 9.796,05 Euro zu. Die steuerliche Gesamtbelastung liegt damit bei nur 21.482,10 Euro – eine Ersparnis von insgesamt 122.735,40 Euro!

 

Vorsicht: Dies gilt nur bei rein nationalen Sachverhalten. Bei Bezügen zum Ausland können sich besondere Schwierigkeiten ergeben (mehr Informationen).

 

Durch geschickte Planung kann auch erreicht werden, dass dem überlebenden Ehegatten das gesamte Erbe nach dem Tod des ersten Ehegatten faktisch unumschränkt zur Verfügung steht. Der Wille der Eltern Klug wird also voll umgesetzt und zusätzlich werden Steuern gespart.

 

Was ist sonst noch zu beachten?

Neben diesen steuerlichen Problemen treten beim Berliner Testament außerdem oftmals Probleme auf, wenn eine „Pflichtteils-Strafklausel“ vereinbart wird, welche den überlebenden Ehegatten davor schützen soll, dass die Kinder noch zu Lebzeiten des einen Ehegatten den Pflichtteil verlangen (mehr Informationen). Schließlich sind immer wieder Probleme mit der Bindungswirkung des Testament zu beobachten (mehr Informationen). Durch geschickte Gestaltung lassen sich aber auch diese Probleme umgehen.

 

Fazit:

Das Berliner Testament führt oftmals zu steuerlichen Nachteilen, die bei vorheriger Planung leicht vermieden werden können. Bevor Sie ein Berliner Testament errichten, sollten Sie sich daher unbedingt von einem auf Erbrecht und Erbschaftsteuer spezialisierten Rechtsanwalt beraten lassen.

 

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient nur der ersten Information und stellt keine Rechtsberatung dar, da diese nur unter Berücksichtigung aller Umstände des konkreten Einzelfalls möglich ist. Für Aktualität und Richtigkeit übernehmen wir keine Gewähr.

  

Kontakt: Sollten Sie eine verbindliche Rechtsauskunft wünschen, nehmen Sie bitte KONTAKT mit uns auf.

 

2009 © Jan-Hendrik Frank (Rechtsanwalt und Fachanwalt für Erbrecht)